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Fujitsu (Siemens) Amilo Xa 3530 und Linux


Dieser Erfahrungsbericht soll als Hilfestellung für all jene dienen, welche sich ein Xa 3530 (oder ein anderes Amilo Notebook) von Fujitsu (ehemals Fujitsu Siemens) gekauft haben.
Einige der hier vorgestellten Konfigurationsmöglichkeiten funktionieren für die gesamte Amilo Serie. (Ich werde darauf verzichten die nötigen Linuxgrundlagen im Detail zu erläutern, da dies den Rahmen sprengen würde. Bei Fragen und Problemen steh ich aber gern zur Verfügung!)

Raid an, aber unbenutzt?

Das Amilo Xa 3530 verfügt über zwei Festplatten (meist 2x 320 GB von Western Digital). Die Standardeinstellungen des BIOS sehen vor, dass die Festplatten im RAID Modus laufen.
Die meisten Endverbraucher nutzen aber weder RAID 0 noch RAID 1. In diesem Fall empfiehlt es sich im BIOS Setup die Festplattenverwaltung auf AHCI umzustellen. (Es steht auch noch eine IDE-Legacy Class zur Verfügung. Von dieser (klassischen) Einstellung ist abzusehen, da neuere Festplattenfeatures nicht unterstützt werden).
Das Umstellen auf AHCI führt zu einer etwas höheren Durchsatzrate der Festplatten sowie einer verkürzten Bootzeit, da der RAID Controller nun nicht mehr initialisiert wird.

Das WLan schaltet sich beim Neustart automatisch ab und lässt sich unter Linux nicht nutzen?

Dieses Problem wurde von Fujitsu mit Hilfe eines BIOS Updates gelöst. Auf der Fujitsu Support Webseite ist das benötigte BIOS Flash (2.08 vom 09.01.2009) zu finden. Das besagte Feature erweitert das BIOS Setup um eine Einstellung, welche dafür sorgt, dass sich das Notebook den letzten Status des WLans merkt. (Wenn man das WLan einmalig unter Windows aktiviert, bleibt es dann an).

Audio Unterstützung: Mikrofon, 8 Kanalsound, Automute etc...

Vor geraumer Zeit habe ich gemeinsam mit meinem Freund Vincent ein ALSA Model für die im Xa3530 verbaute ALC888 Soundkarte entwickelt. Dieses ist seit Kernelversion 2.6.29 fester Bestandteil des Kernels. Es muss lediglich "HDA-Intel" als Soundchip bei den ALSA Einstellungen gesetzt sein, ALSA erkennt dann selbst das es sich um das Xa3530 Notebook handelt. Mit Hilfe des Tools "alsamixer" lässt sich zwischen Stereo, 4-Kanal, 6-Kanal und 8-Kanal Sound umschalten. Wenn das Notebook nicht im 8-Kanalmodus läuft, wird auf dem seitlichen Ausgang des Notebooks trotzdem Stereo Sound ausgegeben (wir sind davon ausgegangen, dass viele Leute diesen Port für externe Lautsprecher nutzen.) Der seitliche Ausgang hat im "alsamixer" einen eigenen Lautstärkeregler ("Side") bekommen. Der interne Lautsprecher des Notebooks wird automatisch gemutet, sobald etwas an den seitlichen Ausgang oder den Kopfhörerausgang angeschlossen wird. Das interne Mikrofon des Notebooks trägt die Bezeichnung "Front Mic", der Mikrofoneingang an der Vorderseite des Notebooks heißt "Mic".

Ändern der Displayhelligkeit funktioniert nicht?

Hierbei handelt es sich um ein ACPI Problem, welches sich beheben lässt in dem man Kernel folgenden Parameter übergibt: acpi_osi="Linux"
Dies kann zum Beispiel mit Hilfe des Grub Bootloaders passieren. (Bei einigen anderen Amilo Notebooks muss man acpi_osi="!Windows 2006" verwenden)

Beispiel (Datei /boot/grub/grub.conf):

title=Gentoo Linux
root (hd1,0)
kernel /boot/vmlinuz root=/dev/sdb3 video=1440x900 acpi_osi="Linux"

Hybridgrafik? HD3200 vs. HD3650? DRM Support?

Das Amilo Xa 3530 Notebook hat zwei Grafikkarten. Im Chipsatz (AMD 780) ist ein HD3200 Grafikcontroller enthalten, welcher seinen Grafikspeicher vom Systemram bezieht. Zusätzlich verfügt das Notebook über eine ausgelagerte HD3650 Grafikkarte, welche 512MB eigenen Grafikspeicher mitbringt.
Leider hat Fujitsu das Umschalten der Grafikkarten nicht auf BIOS Ebene implementiert. Damit das Umschalten der Grafikkarte funktioniert benötigt man einen modifizierten ATI Catalyst Treiber. Dieser enthält (zusätzlich zu den normalen Grafiktreibern) einen Northbridgetreiber, welcher für das Umschalten der Grafik zuständig ist.
Diesen Treiber modifizierten Treiber findet man auf der Fujitsu Support Webseite, leider aber nur für Windows (und es kommen auch nur sehr selten Updates für diesen Treiber, da ihn Fujitsu jedes mal bei AMD bestellen muss.)

Unterm Strich gibt es momentan leider noch keine Möglichkeit unter Linux auf die HD3650 Grafikkarte zuzugreifen.

UPDATE 11. März 2k10: Dank eines Kernelpatches ist es jetzt möglich die Grafikkarten umzuschalten. Zwar geht dies bisher nur außerhalb des Xorg- Servers, aber es sollte ja kein Problem sein, die richtige Grafikkarte vor Starten des Xorg- Servers einzustellen. (Natürlich bemüht sich das Xorg- Team darum, dass Umschalten innerhalb des Xorg- Servers zu ermöglichen. Wann dies funktionieren wird ist aber noch nicht bekannt.)
Das Patch wird ab Kernel Version 2.6.34 fester Bestandteil des Linux- Kernels sein. Eine Anleitung zur Konfiguration des Kernels und zum Umschalten selbst, werde ich bald hier veröffentlichen. (Vorab sei gesagt: Mit dem Patch funktioniert das Umschalten auf meinem Gerät zuverlässig)

Momentan scheitern alle Grafiktreiber am Auslesen des Atom BIOS des HD3650 Grafikchips:

(--) PCI:*(0:1:5:0) 1002:9612:1734:c08d ATI Technologies Inc RS780M/RS780MN [Radeon HD 3200 Graphics] rev 0, Mem @ 0xa0000000/268435456, 0x9fdf0000/65536, 0x9fe00000/1048576, I/O @ 0x00$

(--) PCI: (0:2:0:0) 1002:9591:1734:c09d ATI Technologies Inc Mobility Radeon HD 3650 rev 0, Mem @ 0xc0000000/536870912, 0x9fbf0000/65536, I/O @ 0x0000a000/256, BIOS @ 0x????????/131072


Dies führt dazu das der proprietäre fglrx Treiber meist überhaupt nicht funktioniert. (also auch nicht mit der HD3200 Grafikkarte). Zur Verfügung stehen aber weiterhin die Treiber xf86-video-ati und xf86-video-radeonhd. Mit beiden Treibern kriegt man die HD3200 Grafikkarte zum Laufen.

Ansich ist es heute nicht mehr üblich die Grafikkarte mit Hilfe der xorg.conf Datei zu konfigurieren, da HAL dies automatisch tut. Eine kleine Einstellung muss dennoch vorgenommen werden!
Und zwar muss man dem Grafiktreiber mitteilen, dass man die HD3200 Grafikkarte nutzen möchte. Dies tut man mit Hilfe der Option "BusID", in der "Device" Section.

Beispiel (Datei /etc/X11/xorg.conf):

Section "Device"
Identifier
BusID
Driver
VendorName
BoardName
"MyDevice"
"PCI:01:05:0"
"radeon"   #"radeonhd" für den RadeonHD Treiber
"ATI"
"ATI Radeon HD 3200 Graphics"
EndSection


Seit dem 32er Kernel gibt es auch DRM- sowie KMS-Support für die verbaute Grafikkarte. (Um diese Features nutzen zu können, sollte man aktuelle Grafiktreiberpakete installiert haben... mesa, libdrm, xorg-server sowie einen der genannten Treiber.)

Ich empfehle die Nutzung des xf86-video-ati Treibers, da ich mit diesem die höchsten fps-Werte erreiche. (Compiz Fusion läuft damit zumindest flüssig!)

Um DRM und KMS zu aktivieren müssen die folgenden Kerneloptionen eingestellt werden:

CONFIG_DRM=m
CONFIG_DRM_RADEON=m
CONFIG_DRM_RADEON_KMS=y

Damit KMS sauber arbeitet muss dem Kernel beim Booten der Parameter video=1440x900 übergeben werden.

Beispiel (Datei /boot/grub/grub.conf):

title=Gentoo Linux
root (hd1,0)
kernel /boot/vmlinuz root=/dev/sdb3 video=1440x900 acpi_osi="Linux"


Webcam

Die im Notebook verbaute Cam ( 046d:09bc ) kann genutzt werden, indem man die folgenden Kernel Einstellungen vornimmt:

CONFIG_MEDIA_SUPPORT=y
CONFIG_VIDEO_DEV=y
CONFIG_V4L_USB_DRIVERS=y
CONFIG_USB_VIDEO_CLASS=m


Falls das kleine Lämpchen oben neben der Cam nicht leuchtet, ist sie abgeschaltet. Mit Hilfe der Tastenkombination Fn+F7 kann sie aktiviert werden.
(Bei Aufnahme leuchtet die LED nicht mehr blau sondern rot.)